Ein Zeuge der Barmherzigkeit werden

Im Hl. Geist leben

Der neue missionarische Elan, der auf der Verehrung der Barmherzigkeit Gottes gründet, kann nur in der Gegenwart des Hl. Geistes gelebt werden. Denn allein die Tatsache von Gott zu sprechen, setzt voraus, dass die Person des Heiligen Geistes und Sein Atem in uns wirken ; Er, der die Liebe in Person ist, ewige Frucht der Liebe zwischen Gott dem Vater und Gott dem Sohn. Den barmherzigen Gott zu verkündigen, heißt sich dafür zu entscheiden, dass man dem Heiligen Geist erlaubt durch uns zu sprechen, zu wirken und zu lieben ; es bedeutet aber auch, Ihn in jedem Moment anzurufen, besonders während jeder Mission ; es bedeutet weiterhin, sehr aufmerksam für Sein Wirken in unserem täglichen Leben, in der Kirche und in der Welt zu sein. 

Gleichnis vom verlorenen Sohn

Gott den Barmherzigen Vater zu verkündigen bedeutet auch das Gleichnis des verlorenen Sohnes zu betrachten. (s. Referenz in Dives in Misericordia, Nr. 5-6)

→ Die Freude des Vaters, der seinen Sohn wieder gewinnt, ist die, die ein Missionar fühlt, wenn er jemandem hilft, seinen Weg zu Gott zu finden. 

→ Der Elan und die offenen Arme des Vaters gegenüber seinem Sohn sollen die Einstellung des Missionars sein, der die Barmherzigkeit Gottes verkündigt : Verfügbarkeit, Verständnis und Mitleid, für die, die leiden.

→ Das Vertrauen des Sohnes in den Vater erlaubt ihm, nach Hause zurückzukehren und die Vergebung des Vaters zu erflehen : Ein Zeuge der Barmherzigkeit zu sein, bedeutet das gleiche Klima des Vertrauens zwischen der leidenden Person und Gott herzustellen.

Das Wort Gottes lesen

Das Wort Gottes ist das Fundament der Offenbarung von Gottes Erlösungsplan. Der Missionar der Barmherzigkeit wird sich das Lesen in und das Lernen von der Schrift zu Herzen nehmen, indem er die Schrift in der Perspektive der einzigartigen Offenbarung der Barmherzigkeit des Vaters versteht. In diesem Fall, kann das Gleichnis des verlorenen Sohnes – oder besser das des barmherzigen Vaters – ein Schlüsselelement im Lesen und Lernen der Heiligen Schrift für unsere heutige Welt sein.

Teilnahme an den Sakramenten

Ein Zeuge der Barmherzigkeit Gottes zu sein, kann nur im Lichte des Lebens Christi verstanden und gelebt werden, da Christus selbst der erste Evangelisierer der Welt ist. Der Missionar, der auf sein Gebetsleben achtet und an den Sakramenten teilnimmt, zeigt, dass er sich selbst Christus angleichen will und erlaubt Gott so, ihn nach Seinem Bildnis zu formen. Der Missionar muss zu allererst die Barmherzigkeit Gottes in seinem eigenen Leben erlebt haben, wenn er sie mit Gewissheit und Respekt verkünden will.

Die Eucharistie, die Anbetung des allerheiligsten Sakramentes und das Sakrament der Versöhnung sind von daher unverzichtbare Nahrung für ihn, um den Gott der Barmherzigkeit und der Liebe, verkündigen zu können : denn nahe an Gott und nahe an der Menschheit, wird der Missionar ein bevorzugtes Werkzeug, um einzelne Personen in die Gegenwart Gottes in der Eucharistie zu führen. Er wird auch auf die Bitte des Papstes in Dives in Misericordia antworten, die folgendermaßen lautete : „Es ist also notwendig, daß alles, was ich in diesem Dokument über das Erbarmen sagte, ununterbrochen zu einem inbrünstigen Gebet wird, zu einem Aufschrei, der das göttliche Erbarmen anfleht entsprechend den Notwendigkeiten des Menschen in der Welt von heute.“ (D.M. Nr.15) 

Das Beispiel der Jungfrau Maria

Man kann nicht über die göttliche Barmherzigkeit sprechen, die in Christus offenbar geworden ist, ohne auch über die Jungfrau Maria zu sprechen, die selbst Mutter der Barmherzigkeit ist, und die beste Stellung hat, um die Seelen zu ihrem Sohn zu führen und ihnen ein barmherziges Herz zu schenken. Ein Zeuge der Barmherzigkeit zu sein heißt, das gleiche reine und offene Herz unserer Mutter zu bewahren und mit Ausdauer für die Menschen zu beten, denen wir begegnen. „Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.“ (Lukas 1:50) Ein Zeuge der Barmherzigkeit zu sein, heißt auch Maria zum Fuße des Kreuzes zu folgen, und auf das Kreuz zu schauen ohne kraftlos zu werden und der gesamten Menschheit zu sagen, dass Christus die Barmherzigkeit ist. 

Abschluss

Es ist der Ruf Gottes, seine unerschöpfliche Barmherzigkeit, die in der ganzen Welt widerhallt, allen Menschen bekannt zu machen. Mehr als alles andere sind wir dazu eingeladen zu beten, so dass wir offen sind, seine Gnade der Barmherzigkeit in unserem eigenen Leben zu empfangen und dadurch fähig zu werden, anderen davon Zeugnis zu geben.