Begegnungen mit anderen Religionen : Quellen der Barmherzigkeit

Begegnung mit anderen Religionen :

Quellen der Barmherzigkeit

Von Pater Patrice Chocholski

 

 

Wie kam uns eigentlich die Idee, das Thema der Barmherzigkeit mit den Moslems und anderen Religionen zu teilen ? In unserer kleinen Vereinigung „Familie der Barmherzigkeit“, waren wir an die wöchentlichen Treffen gewöhnt, mit einigen Gruppen aus der Region Rodano-Alpi (Frankreich). Wir teilten eine Bibelstelle über die Barmherzigkeit, ein Teilen, das sich in Gebet und Tat verwandelte. Es ist immer eine schöne Erfahrung, wenn man sich in dieser „Schule der Barmherzigkeit“ zusammenfindet, um sich vom Wort Gottes befragen zu lassen : Was sagt der Text ? Was möchte der Herr mir heute durch diesen Text sagen ? Was möchte er über seine Barmherzigkeit sagen und was möchte ich mit anderen teilen ? Was antworte ich dem Herrn ganz spontan ?

Es ist eine Herausforderung bei jedem Treffen. Es ist nicht immer bequem, doch stets neu (wie die Liebe). Es ist immer eine wunderbare Bereicherung.

Während einer Konferenz, die ich in Paray-le Monial, am Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit im Jahr 2002 hielt, habe ich den Zuhörern empfohlen, die „Zelte der Barmherzigkeit zu vergrößern“. Ich meinte besonders die Texte von Pater Christian de Chiergé, Prior von Tibhirine aus Algerien, der zusammen mit seinen Mitbrüdern von Terroristen am 21 Mai 1994 ermordet wurde. Er sagte : „[Ihr Christen und Moslems] Wir haben es dringend nötig in die gegenseitige Barmherzigkeit einzudringen. Ein „gemeinsames Wort“ das uns von Gott geschenkt wird lädt uns dazu ein. Gerade der Reichtum Seiner Barmherzigkeit äußert sich, wenn wir bescheiden den Glauben und das Leben des anderen zu verstehen suchen. Dieser Exodus zum anderen, hält uns nicht ab vom verheißenen Land, wenn es wahr ist dass unsere Wege dann zusammentreffen, wenn derselbe Durst, uns zu dem selben Brunnen führt. Können wir uns gegenseitig zu trinken geben ? Vom Geschmack des Wassers wird man es erkennen. Das wahre Wasser ist jenes dass entspringt, fließt und dass keiner verhindern kann. Die Welt wäre nicht so wüst, wenn wir in der Lage wären, eine gemeinsame Berufung zu erkennen, nämlich die Quellen der Barmherzigkeit zu vermehren. Man kann nicht zweifeln über diesen Ruf, wenn wir uns vom Allmächtigen an einen einzigen Tisch der Sünder rufen lassen. O ihr guten Leute der Schrift, gehen wir unserer gemeinsamen Berufung entgegen. Der Schatz Gottes ist ein Brot, das man nur mit einer Vielzahl verkosten kann.“

Zu meiner Überraschung hat diese Überlegung Monica beeindruckt, die ich kaum kennen gelernt habe. Sie kannte einige Muslime, von denen sie wusste das diese auf den Appell antworten würden. Es ging um einen Imam und einer seiner Freunde mit Namen Abd errhman (in Arabisch bedeutet dies soviel wie : Diener des Allbarmherzigen). Die erste Begegnung mit ihnen war viel versprechend. Wir haben beschlossen dass unsere Gemeinden (Pfarrgemeinde und Moscheen) sich für Themen, beleuchtet von der Barmherzigkeit Gottes zusammentreffen würden. Wir waren so begeistert, dass wir  uns monatlich trafen. Es gab keine Zweideutigkeiten, da der Verantwortliche einer jeden Gemeinde ein Thema entwickelte, das von der eigenen Tradition ausgeht (ca. 15 Minuten für jeden). Darauf folgt das Teilen der entsprechenden Texte, um uns mit der Barmherzigkeit zu bereichern. So können wir Quellen bilden, damit wir einander näher kommen, durch die verschiedenen Ansätze zu dem einen Gott, der immer barmherziger ist als wir es erahnen können. Das Wasser des gegenseitigen Teilens – mit dem tiefen Respekt für die eigenen Differenzen -ist immer erfrischend !

Natürlich geht es darum, schon von Anfang an und später noch mehr, ein Klima des Vertrauens zu schaffen, das uns erlaubt uns treu in unseren verschiedenen Glaubenstraditionen auszuprobieren. Auf der gemeinsamen Suche nach Barmherzigkeit, wird der Dialog zur Verkündigung mit den bekannten und unbekannten Früchten, die die Gnade des Herrn hervorgerufen hat. Für uns Gläubige, versinnbildet das Antlitz der Göttlichen Barmherzigkeit den Sohn des Vaters. Wir unterlassen es niemals, in der einen oder andern Weise über die Schönheit des Wortes zu reden. „Sprich über meine Barmherzigkeit in der ganzen Welt !“. So hat Faustyna ihre Mission vom Herrn erhalten und hat diese der Kirche weitergegeben. Gewiss dies ist unser Glaube und unsere Erfahrung. Nur die Kirche kann denjenigen anbieten, der die Erfüllung der Barmherzigkeit ist. Je mehr wir in der Demut dessen leben, der die Barmherzigkeit empfängt, desto mehr wird der Barmherzige leuchten. Wir müssen klein werden, damit die Kirche wachsen kann !…

Es entstanden weitere Initiativen, aufrechterhalten vom Direktor der Muslime der ganzen Provinz. Wir organisieren auch Begegnungen an den Schulen sowie in den verschiedenen Regionen

Letztens haben wir uns was Drome (Valence) angeht zusammen die Frage gestellt : ob und in welchen Maß uns der eine Gott zu einer „gemeinsamen Mission“ ruft. In diesem Fall wäre es eine Mission der Barmherzigkeit. Haben wir etwa geträumt ? Missionare der Barmherzigkeit sein, wäre das nicht für Christen gedacht !!?